Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags im Frühjahr 2010
Seit 2003 fordert der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag einen von Sorge und Verantwortung getragenen Kinder- und Jugendschutz im Internet. Ziel war es, Internetfilter zu zertifizieren, um den Entscheidungsträgern in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und zu Hause in den Familien die Auswahl zu erleichtern.
Bislang wurde kein Jugendschutzprogramm anerkannt, was mit der bestehenden Gesetzeslage lt. einer Analyse des Hans-Bredow-Instituts auch nicht zu erwarten ist. Die dafür verantwortliche Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) prüft seit Jahren im KJM-Modellversuch nur noch die Filtersoftware des Vereins "JusProg". Eine Anerkennung wird unter Fachleuten in keinster Weise erwartet.
Zur Erarbeitung von Vorschlägen für die Beschlussfassung durch die Bundesländer wurde beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ein Runder Tisch "Jugendschutzprogramme" eingerichtet. Die TIME for kids Foundation hat hier unter dem Titel "Können 15 Milliarden Internetseiten mit Informationstechnologien nach dem Stand der Technik analysiert werden?" Vorschläge für einen wirksamen Kinder- und Jugendschutz im Internet eingebracht. Die TIME for kids Foundation fordert eine Gleichstellung des Anbieter- und Nutzerprinzips, eine Wirksamkeit von Internetfiltern nach der "90 Prozent Plus-Strategie" sowie eine Bewertungstabelle für Internetfilter.
Gleichstellung von Anbieter- und Nutzerprinzip
Der Kinder- und Jugendschutz im Internet braucht einen neuen rechtlichen Ordnungsrahmen mit einer Gleichstellung des Anbieter- und Nutzerprinzips. Die freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Internetanbieter umfasst nur 10 Prozent der Internetangebote. 90 Prozent der Internetangebote kommen aus dem Ausland und können nur durch eine Selbstkontrolle der Nutzer Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht werden.
Die „90 Prozent Plus-Strategie"
Kritische Themenbereiche wie "Pornographie", "Drogen" und "Gewalt" aber auch "Extremismus" von politisch oder von religiös motivierten Gruppen können mit der "90 Prozent Plus-Strategie" vollautomatisch mit Hilfe von Informationstechnologien nach dem Stand der Technik und des Wissens analysiert, kategorisiert sowie anschließend über Jugendschutzprogramme sperrbar gemacht werden.
Bewertungstabelle
Die gemeinnützige TIME for kids Foundation fordert eine einheitliche Bewertungstabelle für Jugendschutzprogramme als Teil der Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags. Durch einfache, vergleichbare und transparente Kriterien sollen Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und Familien zu Hause sich für eine wirksame Internetfilterung als Teil eines Jugendschutzpaketes entscheiden können.
Hersteller von Internetlösungen oder Institutionen und Personen, die diese in Verkehr setzen, sollten eindeutige und vergleichbare Zahlen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit u.a. ihrer Black- und Whitelists vorlegen!
Unterschieden werden sollte hierbei zwischen:
- Anzahl Domains
- Anzahl URLs
- Häufigkeit und Umfang der Aktualisierung hinsichtlich der Anzahl der Domains und Anzahl der URLs
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Haben Sie es gewusst? Fakten zum WorldWideWeb:
Die Domain: Komplette Internetumgebung einschließlich deren Inhalte (Bsp.: www.focus.de)
Synonyme für Domain: Website, Internet-Angebot, Online-Angebot
Die URL: einzelne Internetseiten innerhalb einer Domain
(Bsp.: http://www.focus.de/digital/internet/jugendschutz-im-netz-wirkungslose-pornofilter_aid_434833.html)
Synonyme für URL: Webseite, Internetseite, Webpage, Dokument
Geschätzte Anzahl Domains weltweit: 183 Millionen Domains
(Quelle: The Domain Name Industry Brief)
Geschätzte Anzahl URL weltweit: 11 Milliarden URLs, die frei zugänglich sind, d.h. ohne Deep Internet
(Quelle: Schätzung IBM)
Geschätzte Anzahl Porno-Internet-Angebote (Domain) weltweit: ca. 13.7 Millionen Domains
(7,5 Prozent des Webs sind pornografischen Inhalts.)
(Quelle: X-Force 2008, H1 Trend-Report)
Geschätzte Anzahl Porno-Seiten (URL) weltweit: 825 Millionen URLs, die frei zugänglich sind, d.h. ohne Deep Internet
(7,5 Prozent des Webs sind pornografischen Inhalts.)
(Quelle: X-Force2009, H1 Trend-Report)
Geschätzte Anzahl Kinderporno-Seiten (URL) weltweit: 13 Millionen URLs
(Quellen: Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt, Fahndungsgruppe Mercy)
Hintergrund
Seit 2003 fordert der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag einen von Sorge und Verantwortung getragenen Kinder- und Jugendschutz im Internet. Ziel war es, Internetfilter zu zertifizieren, um den Entscheidungsträgern in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und zu Hause in den Familien die Auswahl zu erleichtern.
Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht. Die dafür verantwortliche Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) prüft seit sechs Jahren bislang nur die Filtersoftware des Vereins JusProg, konnte die Prüfung aber noch nicht mit einer Zertifizierung abschließen. Andere Filterlösungen wurden nie einer Zertifizierungs-Prüfung unterzogen. Hierzu weitere Stimmen aus der Deutschen Presse-Landschaft.
Pressestimmen
Focus: Jugendschutz im Netz - Wirkungslose Pornofilter
pro - christliches Medienmagazin
taz: Jugendschützer lenken etwas ein - taz.de ab 14 Jahren
taz: Jugendschutzverein warnt - Verdirbt taz.de unsere Jugend?
Telepolis: Jugendschutz und politische Zensur
Ein weiteres Problem ist, dass es für die Zielgruppen des Jugendschutzes bislang nicht möglich ist, die existierenden Internetfilterlösungen anhand von Fakten zu den Filterleistungen zu vergleichen. Grund sind unterschiedliche sowie schwammige Angaben zu den Sperrvermerken. Schon die Begriffe „Domains“ oder „URLs“ bei Sperrlisten verwirren den Anwender, weil er die Qualität und Quantität die hinter diesen Begriffen stecken, beim Lesen eines Textes, nicht ausdifferenzieren kann.
Bei einer Formalisierung des Jugendmedienschutzes bedarf es vergleichbarer Kriterien für Filterlösungen, wie zum Beispiel für sogenannte Black- und Whitelists, die meist in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und zu Hause in den Familien verwendet werden.
Helfen Sie mit!
Vor diesem Hintergrund möchten wir Sie bitten und auffordern, die Qualität der bei Ihnen eingesetzten Filterlösung zu überprüfen. So kann die TIME for kids Foundation eine repräsentative Anzahl von Praxiserfahrungen hinsichtlich der Wirksamkeit von Internetfiltern in die Diskussion zur Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages einbringen.
Wenden Sie sich hierzu mit dem beiliegenden Fragebogen an den Hersteller oder Lieferanten Ihrer Black- und/oder Whitelist. Unterstützen Sie unsere Forderung nach vergleichbaren Kriterien für Internetfilter in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen und zu Hause in den Familien. Durch Ihre Unterstützung helfen Sie mit den Kinder- und Jugendschutz im Internet zu verbessern.
Senden Sie die Antwort Ihres Lieferanten an die TIME for kids Foundation (Fax-Nr: 030 293 69 89 21). Wir werten alle Einsendungen aus und informieren Sie über das Ergebnis sowie über alle für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen zur Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Bei weiteren Fragen können Sie sich gerne an uns wenden.
Download Fragebogen
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